Waldweg im Herbst

Traumschleife Dollbergschleife
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Mit den Kelten auf den höchsten Berg des Saarlands

Deutschland überrascht mich als Wanderparadies immer wieder. An allen Ecken und Enden gibt es wanderbare Orte und jede Menge Abenteuer, die es zu entdecken gilt. Viel Zeit oder sündhaft teure Ausrüstung braucht es dazu nicht. Manchmal reichen schon ein paar Stunden und ein kleiner Rucksack und ein normaler Tag wird mit Weißt-du-noch-Momenten gefüllt, an die man sich mit leuchtenden Augen erinnert. 

Spätestens seit meiner Recherche zu den waldreichsten Gebieten in Deutschland steht auch das Saarland auf meiner Wander-Wunschliste weit oben. Und was soll ich sagen: Das Saarland hat wald- und wandertechnisch einiges zu bieten. Auf meiner Wanderung durch den Schwarzwälder Hochwald genieße ich die letzten Sommerstrahlen des Jahres und begebe mich auf eine Reise in die Vergangenheit. 

Schwungvoll parke ich das Auto auf dem großen Parkplatz an der Köhlerhütte und starte mein Mikroabenteuer auf der 11,2km langen Traumschleife Dollbergschleife, die stellenweise dem berühmten Saar-Hunsrück Steig folgt. 

Nach einem mäßig steilen Anstieg, bei dem mich das Zirpen der Heuschrecken lautstark begleitet, komme ich schon ein wenig ins Schwitzen. Für Mitte September zeigt das Thermometer noch einmal sommerliche Temperaturen an und ich bin froh, gleich in den kühlen, dunklen Schatten des Waldes einzutauchen. 

Die ersten Schritte auf dem weichen, federnden Boden, wenn jedes Geräusch durch die unzähligen Tannennadeln geschluckt wird, wenn die hohen Bäume das Sonnenlicht dämpfen, mein Herzschlag ruhiger, der Wald aber lauter wird – das ist einer meiner absoluten Lieblingsmomente beim Draußensein. 

Durch den dunklen Nadelwald geht es über Wurzeln bergauf, immer wieder leuchtet mir das violette Traumschleifensymbol von einem rötlich-braunen Stamm entgegen und ich muss nichts weiter tun, außer einen wanderbeschuhten Fuß vor den anderen setzen und nicht über dicke Wurzeln stolpern.

Der Weg wird flacher und die hohen Fichten werden nach und nach durch Buchen abgelöst, deren Blätter sich langsam mit dem bevorstehenden Herbst abfinden und stellenweise schon in gelb und orange strahlen. Apropos Fichten, auch hier macht der Borkenkäfer kurzen Prozess mit den vom Klimawandel geschwächten Fichten. 

Außerhalb des Nationalparks werden befallene Fichten konsequent entnommen, im Inneren aber ist der Wald sich selbst überlassen – der Schädling ist hier eine Triebkraft der Biodiversität und der Wald wird sich anpassen. 

Nationalpark? Im Saarland? Richtig gelesen, im Saarland (und in Rheinland-Pfalz) liegt der jüngste der 16 deutschen Nationalparks, der Nationalpark Hunsrück-Hochwald. 

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Im zu den älteren Mittelgebirgen in Deutschland gehörenden Hunsrück erstreckt sich der Nationalpark Hunsrück-Hochwald auf etwa 10.000 ha. Rund 75% der Fläche sollen wieder zur Wildnis werden, die Natur wird hier sich selbst überlassen. Große Buchen- und Fichtenwälder, aber auch einige Moore und Wiesen ermöglichen hier das Leben von verschiedenen, teils seltenen Arten, darunter Wildkatzen (250 gibt es momentan im Saarland!), Rotwild, der Rauhfußkauz und die Bechsteinfledermaus. 

Ich streife weiter durch den Laubwald und folge dem Weg entlang von alten Grenzsteinen, Relikten aus längst vergangenen Zeiten, als es plötzlich ganz unvermittelt vor mir liegt. Das Gipfelkreuz des Dollbergs, oder besser, das Hinweisschild, das mir mitteilt, dass ich den mit 695,4m höchsten Punkt des Saarlandes erwandert habe. 

Aussicht hat man hier keine, würden wohl die Bergprofis aus dem Süden der Republik sagen, aber der Wald ist mir Aussicht genug. Eine Buche, die sich kurz über dem Boden in vier einzelne Stämme teilt, gefällt mir besonders gut. Wie vielfältig die Natur nur ist…

 

Dollberg-Gipfel
Grenzstein
Buche

Neben den Grenzsteinen erlebe ich auf der Wanderung ein weiteres, historisches Highlight: Zwischen den Bäumen erspähe ich bald die schier unendlich vielen Steine des Ringwalls von Otzenhausen. Was auf den ersten Blick wie eine riesige Ansammlung an Steinen aussieht, ist eine keltische Befestigungsanlage, die vor über 2000 Jahren den Treveren, einem keltischen Volksstamm, Schutz bot. Sie ist über 2 Kilometer lang und gilt als eine der größten keltischen Befestigungsanlagen in Europa. 

Den Wall kann man über eine steinerne Treppe begehen, muss ihn allerdings mit einigen Eidechsen, Flechten und Moosen teilen. Oben angekommen wird mir das Ausmaß dieses Bauwerks erst richtig bewusst und ich kann nur staunen. 

Weiter staune ich wenig später, als kurz nach der Talsperre Nonnweiler, dem größten Trinkwasserreservoir im Saarland und in Rheinland-Pfalz, eine etwa einen Meter lange Ringelnatter meinen Weg kreuzt. Noch bevor ich sie genauer anschauen kann, hat sie sich allerdings aus dem Staub gemacht. 

Entlang des Stausees finde ich den Weg wenig charmant und atme auf, als ich mit dem Altbach und dem umgrenzenden Wald wieder mehr Natur um mich habe. 

Fünf Eichhörnchen später stehe ich vor dem Züscher Hammer,  einem 1222 erstmals erwähnten Hammerwerk, das heute besichtigt werden kann. Über ein Wasserrad wurde der große Hammer angetrieben, mit dem Eisen bearbeitet werden konnte. 

Nach dem kleinen Ausflug in die Industriegeschichte stehe ich bald wieder am Ausgangspunkt meiner Wanderung, verschwitzt und staubig, aber mit einem Rucksack voller Weißt-du-noch-Momente. 

Die Traumschleife Dollbergschleife im Überblick

Hast du vielleicht auch schon eine Traumschleife erkundet? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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