Wandern in Cochem an der Mosel – Traubeneichen und trutzige Burgen zwischen Eifel und Hunsrück

Ein paar Tage raus, mal etwas anderes sehen. Dem Home-Office und den eigenen vier Wänden entfliehen. Das war mein Ziel als ich mich ziemlich spontan dazu entschlossen hatte, zum Wandern nach Cochem an die Mosel zu fahren. Richtig viel wusste ich nicht über die kleine Kreisstadt, aber das hügelige Moselland versprach ein paar schöne Wanderungen und leckeren Wein. Also packte ich meine Siebensachen ins Auto, warf die Wanderschuhe daneben und freute mich auf steile Weinhänge und von der Sonne geküsste Reben.


Die Cochemer Ritterrunde – Trutzige Burgen und Traubeneichenwälder

Als ich am frühen Abend in Cochem ankomme, regnet es. Dicke Tropfen klatschen auf die Straße, der Himmel ist grau und schwere Wolken hängen über der Mosel. So viel zum Thema sonnengeküsste Weinreben. Das kann ja heiter werden, denke ich und lege schon mal die Regenjacke für den nächsten Morgen bereit. Die Cochemer Ritterrunde – ein Seitensprung des berühmten Moselsteigs – steht auf dem Programm.

Eine malerische Stadt samt Reichsburg

Eigentlich liebe ich die wilden Pfade abseits der Zivilisation – weg vom Lärm der Stadt, weg von den wuselnden Menschen und raus ins Grüne. Städte und Ortschaften versuche ich meist zu meiden, aber manchmal kann eine pittoreske Stadt die Wanderung toll ergänzen. In Cochem mache ich also wandertechnisch eine Ausnahme und starte meine Tour genau vor den Füßen der Reichsburg Cochem. Diese thront imposant auf einem Hügel über der Stadt und sieht mit ihrem achteckigen Turm und den vielen Erkern wirklich beeindruckend aus.

Die Besitzurkunde der Reichsburg ging im Laufe der langen Burggeschichte durch viele Hände. Kurz nach der Erbauung im 12. Jahrhundert gehörte sie noch den Pfalzgrafen, später dem deutschen König, dann dem Trierer Erzbischof (weil sie zwecks Finanzierung der Königskrönung verpfändet wurde, auch Monarchen brauchen manchmal Geld…). Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg schließlich von französischen Truppen besetzt und zerstört. Die Ruine wurde später zum Besitz Preußens bis sie der Kommerzienrat Loius Ravené kaufte und im neugotischen Stil wieder aufbaute – noch heute sind ihm die Cochemer sehr dankbar dafür.

Von der Reichsburg Cochem mit ihrer langjährigen Geschichte führt die Ritterrunde über Stufen hinab in die malerische Stadt, durch kleine Gässchen, die viel zu schmal für die vielen Autos sind, vorbei an unzähligen Weinstuben entlang der alten Stadtmauer und zur Sesselbahn.

Über das Pinnerkreuz zur Wakelei

Statt mich gemütlich von der Sesselbahn in die Höhe tragen zu lassen, gebe ich diesen Auftrag an meine wanderbeschuhten Füße weiter, die sich nun Schritt für Schritt den schmalen Pfad hinauf arbeiten. Die Schieferstufen sind noch feucht vom Regen des gestrigen Tages und erfüllen nicht gerade die deutsche Stufennorm (gibt es die überhaupt?). Bald säumen Walderdbeeren den steilen Weg, später kommen die ersten Traubeneichen dazu. Kein Wunder, dass die sich hier wohlfühlen, schon ihr Name Quercus petraea (dt. Felsen) deutet auf ihre Vorliebe für Stein- und Lehmböden hin. Die kleinen Bäume sind kaum größer als ich und sehen eher aus wie knorrige Büsche, so klein sind sie. Ich freue mich über ihren Anblick, irgendwie erinnern sie mich ans Mittelmeer und an südlichere Gefilde.

Blick-zum-Pinnerkreuz-Cochemer-Ritterrunde
Traubeneiche
Weg-am-Pinnerkreuz-Cochem

Schließlich erklimme ich die letzten Stufen und erreiche das mit 225 Metern nicht ganz alpine Pinnerkreuz. Die Aussicht ist bei besserem Wetter sicher noch ein bisschen atemberaubender. Ich schaue auf die unter mir liegende Stadt und ihre Reichsburg, die fast schon trotzig vor dem grauen Himmel stehen. So schön wie der Ausblick, so traurig ist die Geschichte des Pinnerkreuzes: Es wurde zu Ehren des Schäfers Pinn aufgestellt, der hier beim Versuch, eines seiner Schafe vor dem Abstürzen zu retten, selbst in den Tod stürzte.

Der Weg führt mich weiter über weiche Waldböden durch lichte Traubeneichen hindurch. Ich genieße diese Wälder als willkommene Abwechslung zu den dichten Mischwäldern bei mir zuhause. Die roten Farbkleckse entpuppen sich als Fingerhut, der nicht nur schön aussieht, sondern auch einigen Insekten als Nahrungsquelle dient. Das winzige Treiben zu beobachten hat schon etwas für sich. Eine kleine Welt, meist unbeachtet von uns, lebt hier in ihrem eigenen Rhythmus mit ihren eigenen Gesetzen. Ich tagträume weiter über die faszinierenden Waldbegegnungen, bis ich an der Wakelei, einem Schiefer-Felssporn, die nächsten grandiosen Ausblicke über die Wälder um Cochem erhasche.

Fingerhut-mit-Ameise
Traubeneichenwaelder

Gesteinsschutt, Regenwald und die Ruine Winneburg

Schieferschutt bzw. Silikatschutt und noch mehr Traubeneichen begleiten mich weiter den trockenen, steinigen Pfad bergab. Beinahe trete ich dabei auf ein Hirschkäferweibchen, das mitten auf dem Weg liegt und zugegeben, schon etwas ramponiert aussieht. Die Tatsache, dass man die größte Käferart Europas ist, kann manchmal auch nicht hilfreich sein. In Serpentinen geht es immer weiter hinunter, nur um dann wieder hinauf zu führen.

Silikatschutt-Gestein

Der Weg führt jetzt durch sattgrünen Wald voller Buchen. Farne und Moose säumen den Waldweg durchs Enderttal. Ich treffe hier keine Menschenseele und fühle mich ein bisschen wie im Urwald. So schnell kann sich die Landschaft ändern. Der Himmel hat sich wieder zugezogen und ich spüre die ersten Tropfen. Bald prasselt es fröhlich auf die Blätter und ich überlege, das Gebiet zum Cochemer Regenwald zu erklären. Immerhin tut es den Pflanzen und Tieren gut.

Nach der nächsten Biegung (ich liebe Waldwege, die sich winden und erst nach und nach preisgeben, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt) verlasse ich die Cochemer Ritterrunde für einige Meter, um der düsteren Ruine Winneburg und ihrem hohen Bergfried einen Besuch abzustatten. Wie hier wohl gelebt wurde? Stand hier vielleicht ein Tisch, dort ein Bett? Was dachten die Herren von Winneburg, wenn sie hinaus in den dichten Wald der Eifel geblickt haben?

Ruine Winneburg Cochemer ritterrunde
Ruine Winneburg Wald
ruine winneburg eifel

Matsch, Felder und ein beeindruckendes Ende

Die Wege sind mittlerweile richtig feucht und rutschig. Mit jedem Schritt ziehe ich meine Füße aus dem Matsch. Irgendwie erinnert mich das an früher, als ich als Kind oft schlammig, aber sehr glücklich nach Hause gestiefelt bin. Auch die Gerüche sind anders, wenn die Erde nass ist, riecht der Wald immer ganz besonders intensiv.

Das zum Cochemer Stadtwald gehörende Waldstück mit seinen Douglasien und Weißtannen wird von weiten Feldern abgelöst. Gelblich, hellgrün mit vielen blauen und roten Punkten bilden sie einen tollen Kontrast zum grünen Wald. Noch einmal tauche ich danach wieder in den Wald ein, jetzt sind wieder Traubeneichen an der Reihe. Nach den letzten großartigen Ausblicken auf Eifel und Hunsrück überquere ich den kleinen, märchenhaften Märtscheltbach, der Pfad wird breiter, geht in eine Straße über und spuckt mich genau vor den Toren der Reichsburg wieder aus.

Alle Infos zur Cochemer Ritterrunde auf einen Blick

Cochemer Ritterrunde

Startpunkt:
Da als Rundtour angelegt, kann überall gestartet werden. Offiziell beginnt der Weg am Carl-Fritz-Nikolay-Platz in Cochem, ich finde einen Start an der Reichsburg noch schöner.
Länge:
16.9 km, 630 Höhenmeter
Schwierigkeit:
Die Tour erfordert gerade bei Regen ein gewisses Maß an Trittsicherheit.
Routenverlauf und Orientierung:
Die Route verläuft auf sehr unterschiedlichem Untergrund, von Waldböden, Stellen mit Silikatschutt, Asphaltwegen über Feldwege ist alles dabei. Sie ist hervorragend ausgeschildert. Als Markierung dient das grüne Seitensprung-Symbol. Normalerweise kann die Strecke zwischen Willhelmshöhe und Victoriahöhe halbiert werden, diese Abkürzung ist seit dem 11.05.20 allerdings gesperrt.
Anreise:
Mit der Bahn oder dem Auto über Koblenz
Unterkunft:

Cochem bietet jede Menge Unterkünfte für unterschiedliche Geldbeutel an. Auf der Homepage der Stadt gibt es verfügbare Zimmer für Kurzentschlossene.

Mehr Wanderungen zwischen Eifel und Hunsrück

Die Gegend um Cochem eignet sich hervorragend fürs Wandern. Es gibt zahlreiche, gut ausgeschilderte Wanderwege für jeden Geschmack. Einige führen durch die Weinreben und entlang schroffer Steilhänge, andere konzentrieren sich auf die wilden Wälder von Eifel und Hunsrück. Auch bekanntere Besuchsmagneten wie die Hängebrücke Geierlay oder die romantische Burg Eltz sind nicht weit von Cochem entfernt und können mit Wanderschuhen erkundet werden.

Von Seitensprüngen, Traumschleifen und dem Moselsteig

Die Cochemer Ritterrunde ist ein Seitensprung des Moselsteigs. Der Moselsteig führt auf 365 abwechslungsreichen Kilometern von Perl an der französischen Grenze nach Koblenz. Er gilt als „Qualitätsweg – wanderbares Deutschland“, ist aber mit seinen 24 Etappen doch eher eine Herausforderung für etwas mehr Zeit. Für die Wanderliebhaber, die die Gegend in Tagestouren erkunden wollen, gibt es deshalb die Traumpfade und Seitensprünge – nicht weniger schöne Tages- oder Halbtagestouren, um Wald, Wein und Kultur entlang der Mosel zu entdecken. Für kleine oder ältere Wanderer bieten sich bei Bedarf auch die nochmal kürzeren Traumpfädchen an.

Warst auch du schon in Cochem zum Wandern oder hast noch mehr Tipps für Wanderungen zwischen Eifel und Hunsrück? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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