Pilz und Chucks

Das größte Lebewesen der Welt - eine Ode an den Pilz

Lieber Wal, lieber Elefant, liebe Mammutbäume! Es tut mir leid, aber ihr könnt einpacken. Lange dachte man, ihr seid die größten Lebewesen dieser Erde. Ich muss euch enttäuschen. Das größte Lebewesen der Erde ist ein Pilz. 

Ich liebe Pilze. Sobald die Tage kürzer, die Blätter bunter, die Teetassen voller werden, zieht es mich hinaus, denn Herbst ist Pilzzeit. Pilze sind nicht nur geschmacklich ein Highlight, auch optisch haben es mir Röhrling, Fliegenpilz und Co angetan. 

Aber was sind Pilze eigentlich genau? Pflanze oder Tier? Und wie können die kleinen Leckerbissen das größte Lebewesen der Welt hervorbringen? Lieber Pilzliebhaber, hier erfährst du es!

 

Pflanze oder Tier?

Das ist doch klar, Pilze sind Pflanzen! Sie sind schließlich ziemlich unbeweglich und können bei Gefahr durch eifrige Pilzsammler nicht einfach weglaufen. Halt, ganz so einfach ist das nicht. 

Lange dachte man tatsächlich, was sich nicht bewegt ist kein Tier.  Diese Abgrenzung ist allerdings veraltet, heute schauen sich Biologen eher den Aufbau eines Lebewesen, seine Biochemie und seine Gene an, um zu sagen, ob etwas Tier oder Pflanze ist. 

 

blauer Pilz

Pilze haben unglaublich viele Farben, sie sind braun, weiß, orange, gelb, rot, blau, violett, aber niemals grün. Grün ist in der Natur nur, was Photosynthese betreibt und Chloroplasten (mehr dazu in diesem Beitrag) enthält, nämlich Pflanzen. Pilze ähneln in ihrem zellulären Aufbau aber eher den Pflanzen. Sie haben Zellwände und Vakuolen, die wir in tierischen Zellen vergeblich suchen. 

Sehen wir uns mal die Pilzernährung genauer an. Pilze leben, ähnlich wie Tiere, von organischen Nährstoffen. Die meisten Pilze scheiden dafür Enzyme, ähnlich unseren Verdauungsenzymen, in ihre Umgebung aus. Dadurch können sich Nährstoffe besser lösen und durch den Pilz aufgenommen werden. 

Es gibt allerdings auch Pilze, die sich von Pflanzen und kleinen Würmern ernähren. Das sind die Räuber und Rabauken unter den kleinen Unschuldigen. Sie saugen Nährstoffe direkt aus der Pflanze oder bilden kleine, klebrige Fallen, an denen winzige Fadenwürmer hängen bleiben. Manche Pilze haben sogar Schlingfallen entwickelt, ein bisschen wie eine Hasenfalle in gaaanz klein kann man sich das vorstellen. 

Also was jetzt, Pflanze oder Tier? Ganz einfach: Weder noch. Pilze bilden eine eigene Gruppe innerhalb der Lebewesen, in manchen Punkten ähneln sie eher Tieren, in anderen Punkten eher den Pflanzen. 

Pilze und der Wald

Schätzungsweise gibt es 1.5 Millionen Pilzarten! Ein Bruchteil davon ist erst beschrieben, es gibt also noch viel zu tun! Pilze sind unglaublich vielfältig. Sie können heilen und vergiften, schmecken gut oder schlecht, können Pflanzen schädigen oder ihnen helfen.

Im Wald haben Pilze eine wichtige Rolle. Sie sind fast die einzigen Waldbewohner, die Holz wirklich effizient zersetzen können. Für den Wald und seine Bewohner ist das sehr wichtig. Pilze sind wahre Recycling-Künstler! Sie machen absterbende Bäume dadurch für andere Lebewesen zugänglich, schließlich entsteht aus dem zersetzten Material wieder nährstoffreicher Humus.  

 

Fliegenpilz

Pilze sind ganz schön clever - Symbiosen

Pilze sind ziemlich clever. Einige Pilze, die selbst nicht so gut komplexere Nährstoffe aufschließen können, holen sich Hilfe. Diese Pilze nennt man Mykorrhiza-Pilze. Sie haben einen ziemlich guten Deal mit den Pflanzen getroffen: Im Austausch für Zucker und andere Photosynthese-Produkte holen sie viele Nährstoffe und Wasser aus dem Boden und geben sie an die Pflanze weiter, die ohne den Pilz nicht daran gekommen wäre. Außerdem schützen sie die Pflanze vor der ein oder anderen Laus. 

Auch Flechten sind besondere Formen der Symbiose. Eine Flechte ist ein Pilz, der eine Grünalge verschluckt hat. Dadurch wird der Pilz doch mehr zur Pflanze und kann auf die Photosynthese-Produkte der Alge zurückgreifen.  So kann der Pilz ungeahnte Orte besiedeln!

Das größte Lebewesen der Welt

Wenn du es bis hierhin geschafft hast, erfährst du endlich, was es mit der Überschrift dieses Beitrags auf sich hat. Das größte Lebewesen der Welt ist tatsächlich ein Pilz.

Dieses monströse Lebewesen hat sich auf einer Fläche von mehr als 1200 Fußballfeldern ausgebreitet. Es ist schwerer als ein Blauwal und lebt im Untergrund. Ein Hallimasch in Oregon, USA ist mit einer Fläche von 9 Quadratkilometern und einem Gewicht von 600 Tonnen ein Gigant, der seinesgleichen sucht. Stolze 2400 Jahre alt soll er sein. 

Entdeckt wurde der riesige Pilz nicht etwa mit dem bloßen Auge, sondern durch Wurzelproben. Das Lieblingsgericht des Hallimaschs sind Nadelbäume, ganze Wälder befällt er. In Oregon hat man bei genetischen Analysen von ganz vielen befallenen Bäumen festgestellt, dass es sich um den gleichen Pilz handelt. 

Sichtbar wird der Pilz nur, wenn er seine Fruchtkörper ausbildet. Das ist das, was wir als Pilz bezeichnen. Eigentlich ist das aber nur der Teil, der für die Vermehrung notwendig ist. Unter der Erde oder im Holz breitet sich der Pilz durch ein Netz aus kleinen Fasern, ein Myzel, aus. Damit kann der Pilz theoretisch unbegrenzt weiterwachsen, bis keine Nährstoffe mehr vorhanden sind. 

Der Hallimasch kommt übrigens auch bei uns vor, allerdings wurde noch kein derart großes Exemplar entdeckt. Gut durchgegart ist er übrigens essbar. 

 

Was ist dein Lieblingspilz? Verrate mir es in den Kommentaren.

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