Es grünt so grün

Lindgrün, moosgrün, apfelgrün, tannengrün, waldgrün. Die Liste an Grüntönen, die wir in der Natur finden können, ist lang. Streift man momentan durch die Wälder, springt einem das kraftvolle, frische Frühlingsgrün besonders ins Auge. Frühlingsgrün, das bedeutet der Winter ist vorbei, die Natur startet ins neue Jahr. Ich finde, wir werden mit einer der schönsten Farben verwöhnt, die die Natur zu bieten hat. Grün heißt das ganze übrigens nicht umsonst. Das Wort stammt aus dem mittel- bzw. althochdeutschen und bedeutet „wachsen“ oder „gedeihen“. Aber warum sind Blätter eigentlich grün?


Blätter enthalten grüne Farbstoffe

Auf den ersten Blick klingt das ziemlich logisch. Das Blatt enthält einen grünen Farbstoff, also ist es grün. Dieses Blattgrün nennt man Chlorophyll. Damit ist es aber nicht vorbei. Wer gerne im Herbst die bunten Blätter bestaunt, weiß, es gibt noch mehr Farben im Blatt: Neben dem grünen Chlorophyll besitzen Pflanzen auch gelbe und rötliche Farbstoffe. Das Blattgrün überdeckt die anderen Farben allerdings meistens.
Zurück zum Chlorophyll: Pflanzen besitzen zwei verschiedene Sorten. Kreative Biologen gaben ihnen die Namen Chlorophyll a und Chlorophyll b.

Pflanzen (und übrigens auch einige Bakterien) teilen aber nicht nur ihre grüne Farbe. Zusätzlich teilen sie die Fähigkeit der Photosynthese. Statt wie wir Menschen zum Beispiel ein Honigbrötchen zur Energiegewinnung zu nutzen, können Pflanzen ihre Energie selbst herstellen. Dazu wandeln sie Sonnenlicht in Energie um. Mit Wasser und Kohlendioxid werden dann energiereiche Zuckerverbindungen für alle lebenswichtigen Vorgänge in der Pflanze aufgebaut. Als Nebeneffekt entsteht dabei der für uns so wichtige Sauerstoff. Dieser Zusammenhang zwischen grüner Farbe und Photosynthese ist kein Zufall.

Blattgrün kann Licht sammeln

Tatsächlich ist das Vorkommen von Chlorophyll eine wichtige Voraussetzung für die Photosynthese. Warum ist das so? Aufgrund seiner Struktur kann Chlorophyll Lichtenergie aufnehmen. Weil diese Energie möglichst effizient aufgenommen werden soll, hat sich die Evolution dazu etwas ausgedacht: Das Chlorophyll bildet mit anderen Farbstoffen sogenannte Lichtsammelkomplexe. Das kann man ganz wörtlich nehmen. Wenn diese Lichtsammelkomplexe mit Licht in Kontakt kommen, wird ein Photon (also ein Lichtteilchen) aufgenommen. Das setzt eine Reaktionskaskade in Gang, an deren Ende Energie für die Pflanze entsteht.

Mit grünem Licht kann die Pflanze nichts anfangen

Wie war das nochmal mit dem Licht? Zur Erinnerung: Sichtbares Licht ist nicht etwa gelb, sondern besteht aus einem Spektrum. Es enthält also alle Farben. Beim Lichtsammeln geht der grüne Farbstoff ziemlich wählerisch vor. Chlorophyll a kann am besten violettes und orangenes Licht aufnehmen. Chlorophyll b bevorzugt blaues und gelbes Licht. Grünes Licht hingegen wird nicht so gut absorbiert, sondern überwiegend reflektiert. Diese Lücke im Absorptionsspektrum nennt man Grünlücke. Das reflektierte grüne Licht nehmen wir wahr und die Blätter erscheinen uns grün.

grüne Pflanze reflektiert grünes Licht
Pflanzen erscheinen uns grün, weil wir das reflektierte grüne Licht wahrnehmen. Dieses Licht kann nicht von der Pflanze absorbiert, also aufgenommen werden.

Moosgrün, Lindgrün, Apfelgrün?

Jetzt wissen wir, warum wir den Wald grün sehen. Das erklärt noch nicht, woher die verschiedenen Grüntöne kommen. Hier kommen noch einmal die anderen Farbstoffe ins Spiel. Je nach Pflanzensorte, Standort, Temperatur und Jahreszeit ist das Verhältnis aus Chlorophyll und anderen Farbstoffen unterschiedlich. Außerdem beeinflusst auch die Verteilung des jeweiligen Farbstoffs in der Zelle die Farbe des Blattes. Zusammen sorgen diese Faktoren dann für die zahlreichen unterschiedlichen Grüntöne.

1 Kommentar zu „Es grünt so grün – Chlorophyll“

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